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Freitag, 2. November 2007
Angustus
thisbe, 03:41h
Die Angst sitzt wie ein Kloß im Hals. Ich kann vollkommen daneben raten. Was meinst du da unten?
Thisbe Cara, wag es einfach.
Nur wenig später:
Siehst du. War gut so. Sehr gut! Und jetzt schlaf ruhig.
Thisbe Cara, wag es einfach.
Nur wenig später:
Siehst du. War gut so. Sehr gut! Und jetzt schlaf ruhig.
Donnerstag, 1. November 2007
Quo?
thisbe, 18:42h
Während du auf dem Meeresgrund bist, wohin soll ich gehen, damit ich dich nicht mehr spüre? Die Notfallschnur würd ich gern durchtrennen, aber das geht ja nicht. Oder wie schneidet man sich das Herz raus, ohne zu sterben?
Ich träume von ihm, jede Nacht. Arbeit scheint mir das einzige zu sein, das mich dich nicht hören lässt. Aber dazu kann ich mich nicht aufraffen. Ich verschlafe den Tag und vegetiere vor mich hin, immer bemüht, dich zu ignorieren. Du weisst ja, was das heisst "sie war stets bemüht". Ich will es nicht spüren, wie weh es tut. Ich hätte nie gedacht, dass es so schrecklich ist, wenn er mich aus seinem Leben schliesst. Wo ist die Wut von gestern hin? Sie war mir soviel lieber.
Wohin muss ich gehen, um damit umzugehen?
Ich träume von ihm, jede Nacht. Arbeit scheint mir das einzige zu sein, das mich dich nicht hören lässt. Aber dazu kann ich mich nicht aufraffen. Ich verschlafe den Tag und vegetiere vor mich hin, immer bemüht, dich zu ignorieren. Du weisst ja, was das heisst "sie war stets bemüht". Ich will es nicht spüren, wie weh es tut. Ich hätte nie gedacht, dass es so schrecklich ist, wenn er mich aus seinem Leben schliesst. Wo ist die Wut von gestern hin? Sie war mir soviel lieber.
Wohin muss ich gehen, um damit umzugehen?
Donnerstag, 1. November 2007
thisbe, 00:41h
Cor Carum,
thisbe, 20:31h
wie geht es dir? Das war vielleicht ein anstrengender Tag! Ich bin nicht dazu gekommen, an dich zu denken. Ab und an hab ich mir eingebildet, dich rufen zu hören, aber ehrlich gesagt: mir war nicht danach, mit dir zu sprechen. Heilfroh war ich darüber, dass heute die Hölle los war. Nicht stehenbleiben, vorwärts, vorwärts, nicht innehalten. Was hilft es uns, uns darüber kaputtzudenken? Wir würden uns nur im Kreise drehen.
Thisbe cara,
erholsam war mein Tag. Auch mich entspannt es, nicht permanent mit dir im Gespräch bzw. Konflikt zu stehen. Ich hab viel vor mich hingegrübelt, während du so eifrig abgelenkt warst. Und ich sag dir was: ich mag ihn immer noch sehr, und er fehlt mir. Aber leid tut er mir, so blind wie sein Herz ist.
Und so starrte das Herz nachdenklich vor sich hin, in die Dunkelheit auf dem Meeresgrund, die bei genauerer Betrachtung gar nicht so dunkel war.
Thisbe cara,
erholsam war mein Tag. Auch mich entspannt es, nicht permanent mit dir im Gespräch bzw. Konflikt zu stehen. Ich hab viel vor mich hingegrübelt, während du so eifrig abgelenkt warst. Und ich sag dir was: ich mag ihn immer noch sehr, und er fehlt mir. Aber leid tut er mir, so blind wie sein Herz ist.
Und so starrte das Herz nachdenklich vor sich hin, in die Dunkelheit auf dem Meeresgrund, die bei genauerer Betrachtung gar nicht so dunkel war.
Et Cor Dicit:
thisbe, 10:06h
dein Körper verhöhnt mich. Die nächtlichen Bilder in deinem Kopf, die mir beim Aufwachen das Gefühl geben, es sei alles wieder in Ordnung, nur damit sich wenige Augenblicke später die eiskalte Kralle der Wirklichkeit um mich schließt und ich schreckenssteif erstarre. Das Blut, bösartig, höhnisch verlachend. Sieh, schreit es, sieh genau hin! Es schreit und schreit.
Und Salzwasser, ach. Das einzige Salzwasser das ich sehe ist das auf deinen Wangen.
Hilf mir doch. Ich schaff das nicht.
Und Salzwasser, ach. Das einzige Salzwasser das ich sehe ist das auf deinen Wangen.
Hilf mir doch. Ich schaff das nicht.
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Audi, Cor Meum
thisbe, 00:03h
was sie uns da erzählt hat. Soviel Weisheit in der besten Freundin. Da schafft sie es, das, was dich seit Tagen quält, in ein so anderes Licht zu rücken. Ja, das Gespräch mit ihm vorhin, das tat weh, oder eher, dass er kein Gespräch wollte, sondern vollkommen verletzt und selbstgerecht stammelnd in seinem Sessel sass und dich nach einigen Minuten der Tür verwiesen hat. Dass er sich sein eigenes Bild von dir gebastelt hat, in seiner kleinen, wirren Welt, so ein falsches Bild, so festgefahren, resultierend aus einem einzigen Telefonat. Kaputt gemacht haben soll dieses Telefonat all das, was aufgebaut war. Was auch immer er da an dir aufarbeitet, es hat nichts mit dir zu tun. Absolut nichts.
Und dann kam sie und sprach zu uns. Was hat sie noch gesagt? Dass Kopf und Herz gar nicht so verschiedene Dinge sind. Wenn du an das Herz, also an dich, ranlassen würdest, was da im Kopf ist, dann, ja dann.
Eine irre Aussage, nicht wahr? Sagt man doch immer, dass man das Herz entscheiden lassen soll. Hat schon einmal ernsthaft jemand an dieser Aussage gezweifelt? Vielleicht irrt sich ja das Herz die ganze Zeit, weil die momentanen Gefühle nicht den tatsächlichen Wünschen entsprechen.
So stell ich dir nun diese Fragen: was wünscht du dir? Und was würdest du bei ihm bekommen?
Audi, Cor Meum, du würdest nicht das bekommen, von was du träumst. Eine normale Beziehung, in der auch er ganz bei sich ist, und nicht permanent versucht, den Deckel auf Gefühle zu klatschen. Du willst keinen Partner, der dem Kindsein nicht entwachsen kann sondern kindlich den Mund aufmacht, diese Scheisse in sich rein frisst, und denkt, los gehts.
Du willst jemanden, der am Wochenende etwas mit dir unternimmt, und zwar nicht nur nachts. Du willst jemanden, mit dem du Essen gehen und über Sandstrände rennen kannst. Der bei sich ist, und der dadurch auch bei dir sein kann.
Und wenn du das erkennst, tuts gar nicht mehr so weh. Traurig macht vielleicht nur, dass er das Potential hat, es aber nicht leben kann.
Weißt du nun, warum ich dich auf den Meeresgrund geschickt habe? Du bleibst da noch eine Weile. Sie ist Salzwasser, die beste Freundin. Viel Salzwasser brauchst du. Brauchen wir.
Und dann kam sie und sprach zu uns. Was hat sie noch gesagt? Dass Kopf und Herz gar nicht so verschiedene Dinge sind. Wenn du an das Herz, also an dich, ranlassen würdest, was da im Kopf ist, dann, ja dann.
Eine irre Aussage, nicht wahr? Sagt man doch immer, dass man das Herz entscheiden lassen soll. Hat schon einmal ernsthaft jemand an dieser Aussage gezweifelt? Vielleicht irrt sich ja das Herz die ganze Zeit, weil die momentanen Gefühle nicht den tatsächlichen Wünschen entsprechen.
So stell ich dir nun diese Fragen: was wünscht du dir? Und was würdest du bei ihm bekommen?
Audi, Cor Meum, du würdest nicht das bekommen, von was du träumst. Eine normale Beziehung, in der auch er ganz bei sich ist, und nicht permanent versucht, den Deckel auf Gefühle zu klatschen. Du willst keinen Partner, der dem Kindsein nicht entwachsen kann sondern kindlich den Mund aufmacht, diese Scheisse in sich rein frisst, und denkt, los gehts.
Du willst jemanden, der am Wochenende etwas mit dir unternimmt, und zwar nicht nur nachts. Du willst jemanden, mit dem du Essen gehen und über Sandstrände rennen kannst. Der bei sich ist, und der dadurch auch bei dir sein kann.
Und wenn du das erkennst, tuts gar nicht mehr so weh. Traurig macht vielleicht nur, dass er das Potential hat, es aber nicht leben kann.
Weißt du nun, warum ich dich auf den Meeresgrund geschickt habe? Du bleibst da noch eine Weile. Sie ist Salzwasser, die beste Freundin. Viel Salzwasser brauchst du. Brauchen wir.
Vide, Cor Meum
thisbe, 19:13h
so lasse ich dich nun hinab in die tiefe, stille Dunkelheit, dorthin, wo alles seinen Ursprung hat, hinab auf den Meeresgrund. Salzwasser hat eine heilende Wirkung, so heisst es, und deswegen sieh es nicht als Verbannung, sondern als Reha, so eine, wie sie nach schweren Unfällen notwendig ist, um Narben zu behandeln.
Ich verstehe, wenn du mir das übel nimmst, es fällt auch mir nicht leicht, dich gehen zu lassen, du bist immerhin ein Teil von mir. Aber eben einer, der krankt, und der dringend Ruhe statt Selbstzerfleischung benötigt. Ganz allein bist du dort ja nicht, es gibt so viele kleine Teilchen, Tiere, Wesen, die man auch gar nicht mit dem blossen Auge wahrnimmt. Wie so viele Dinge im Leben. Man sagt, mit dir sieht man am besten. Wie du gemerkt hast, traue ich meinen Augen immer noch mehr als dir. Insofern ändert sich doch dort unten ersteinmal gar nicht soviel für dich, nicht wahr? Außer, dass ich dich nicht mehr quäle. Und immerhin mühst du dich dann nicht vergebens, mir Dinge mitzuteilen. Weil du ja eh nicht da bist. Es erspart dir die Enttäuschung und weitere Narben, für die kein Platz ist.
Sei dir gewiss, der Tag wird kommen, an dem ich bereit für dich bin, und an dem ich dich brauche. Und so lasse ich eine klitze kleine Notfallschnur bei dir, eine Art Minianker, der uns verbindet. Wie die Notfallklingeln im Krankenhaus, weisst du? An der ziehst du dann, wenn Gefahr in Verzug ist. Und ich ziehe an ihr, wenn ich dich wieder bei mir haben kann.
Bis dahin: sieh, mein Herz, sieh. Ganz für dich allein.
Ich verstehe, wenn du mir das übel nimmst, es fällt auch mir nicht leicht, dich gehen zu lassen, du bist immerhin ein Teil von mir. Aber eben einer, der krankt, und der dringend Ruhe statt Selbstzerfleischung benötigt. Ganz allein bist du dort ja nicht, es gibt so viele kleine Teilchen, Tiere, Wesen, die man auch gar nicht mit dem blossen Auge wahrnimmt. Wie so viele Dinge im Leben. Man sagt, mit dir sieht man am besten. Wie du gemerkt hast, traue ich meinen Augen immer noch mehr als dir. Insofern ändert sich doch dort unten ersteinmal gar nicht soviel für dich, nicht wahr? Außer, dass ich dich nicht mehr quäle. Und immerhin mühst du dich dann nicht vergebens, mir Dinge mitzuteilen. Weil du ja eh nicht da bist. Es erspart dir die Enttäuschung und weitere Narben, für die kein Platz ist.
Sei dir gewiss, der Tag wird kommen, an dem ich bereit für dich bin, und an dem ich dich brauche. Und so lasse ich eine klitze kleine Notfallschnur bei dir, eine Art Minianker, der uns verbindet. Wie die Notfallklingeln im Krankenhaus, weisst du? An der ziehst du dann, wenn Gefahr in Verzug ist. Und ich ziehe an ihr, wenn ich dich wieder bei mir haben kann.
Bis dahin: sieh, mein Herz, sieh. Ganz für dich allein.
Donnerstag, 16. August 2007
Carpe noctem.
thisbe, 01:12h
Den Tag kann ich nämlich einfach nur in die Tonne treten.
Absurdus.
thisbe, 02:02h
Großspurig zu einer Bier- und Grillparty einladen und dann bemerken, dass man weder das eine noch das andere zu Hause hat.
Dienstag, 14. August 2007
Panem et circenses.
thisbe, 02:27h
Es rächt sich. Seit meiner unverhohlenen Schadenfreude über das blamable Spiel der Bayern gegen Wacker Burghausen erhalte ich einen Bundesliga-Newsletter.
Jetzt muss ich allerdings erwähnen, dass ich der Gattung "Pseudo-Fan" angehöre. Unter Höchstanstrengung habe ich mir die grundlegendsten Regeln beibringen lassen, um wenigstens für mein Umfeld Interesse an Taktik und Technik zu heucheln. Tatsächlich finde ich, dass der körperliche Aspekt nicht zu vernachlässigen ist. Man muss schließlich Klischees bedienen. So sitze ich dann auf dem Sofa, gröhle "ooh, schöööön freigespielt" und denke mir "ooh, schöööön freimachen".
Richtig bitter wird es dann, wenn man also diesen Newsletter tatsächlich öffnet, und dort dann nicht einmal wirklich etwas über Bundesliga steht. Am Anfang wird einem gleich wie ein Zaunpfahl über den Kopf gezogen, dass man ja sooo ein Glück hat, das graaade rechtzeitig das legendäre Gewinnspiel aktiviert wurde. Hurra. Ich versuche Euphorie zu empfinden. Doch diese wird noch vor der Entstehung ausgebremst. Denn dann steht da was von Spice-Girl, Nina "Alles wird gut" Ruge, Petra Roth und der Kanzlerin. Meine Augenlider werden fast so schwer wie von jener letztgenannten. Danach wird ein bisschen über das Wetter und die Dopingfälle im Radsport gelästert. Und die Bayreuther Festspiele finden neben Michael Schumacher auch noch Erwähnung. Ich unterdrücke ein Schnarchen. Zu guter letzt gibts dann noch eine Tüftelaufgabe. Irgendwas von Stücken und 70 Millionen Euro und Oktoberfestbierpreisen und Nationalökonomie. Ich würd da nicht lang rechnen, sondern die eine Hälfte der 70 Millionen in ein paar Stücke investieren und die andere in Oktoberfestbier, und dabei die Nationalökonomie Nationalökonomie sein lassen.
Bestätigt hat mich das Ganze wieder einmal nur in einem: viel gibts nicht zu sagen, über die Bundesliga. Man kuckt sie einfach, oder auch nicht, heuchelt Interesse, oder auch nicht, und ergötzt sich eben doch an den rein körperlichen Aspekten. Wenn die doch nur sowas mal in den Newsletter packen könnten...
Jetzt muss ich allerdings erwähnen, dass ich der Gattung "Pseudo-Fan" angehöre. Unter Höchstanstrengung habe ich mir die grundlegendsten Regeln beibringen lassen, um wenigstens für mein Umfeld Interesse an Taktik und Technik zu heucheln. Tatsächlich finde ich, dass der körperliche Aspekt nicht zu vernachlässigen ist. Man muss schließlich Klischees bedienen. So sitze ich dann auf dem Sofa, gröhle "ooh, schöööön freigespielt" und denke mir "ooh, schöööön freimachen".
Richtig bitter wird es dann, wenn man also diesen Newsletter tatsächlich öffnet, und dort dann nicht einmal wirklich etwas über Bundesliga steht. Am Anfang wird einem gleich wie ein Zaunpfahl über den Kopf gezogen, dass man ja sooo ein Glück hat, das graaade rechtzeitig das legendäre Gewinnspiel aktiviert wurde. Hurra. Ich versuche Euphorie zu empfinden. Doch diese wird noch vor der Entstehung ausgebremst. Denn dann steht da was von Spice-Girl, Nina "Alles wird gut" Ruge, Petra Roth und der Kanzlerin. Meine Augenlider werden fast so schwer wie von jener letztgenannten. Danach wird ein bisschen über das Wetter und die Dopingfälle im Radsport gelästert. Und die Bayreuther Festspiele finden neben Michael Schumacher auch noch Erwähnung. Ich unterdrücke ein Schnarchen. Zu guter letzt gibts dann noch eine Tüftelaufgabe. Irgendwas von Stücken und 70 Millionen Euro und Oktoberfestbierpreisen und Nationalökonomie. Ich würd da nicht lang rechnen, sondern die eine Hälfte der 70 Millionen in ein paar Stücke investieren und die andere in Oktoberfestbier, und dabei die Nationalökonomie Nationalökonomie sein lassen.
Bestätigt hat mich das Ganze wieder einmal nur in einem: viel gibts nicht zu sagen, über die Bundesliga. Man kuckt sie einfach, oder auch nicht, heuchelt Interesse, oder auch nicht, und ergötzt sich eben doch an den rein körperlichen Aspekten. Wenn die doch nur sowas mal in den Newsletter packen könnten...
Sonntag, 12. August 2007
Meum est propositum in taberna mori.
thisbe, 04:10h
Anna stellt mir das Weizen ungeordert auf den Thresen. "Danke, Anna." Ihr heißer Barkeeper Nils lächelt mir zu.
Der Koch schwankt mir auf seinem Barhocker derart entgegen, dass ich seine Fahne riechen kann. Mehr Schnäpse als Bier, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen. An Feuer erinnert mich auch seine rote Winterjacke. Schön warm ist sie sicherlich ausserdem. Verbrennen kann man sich an dem Mann allerdings nicht. Er spuckt zuviel.
Seine vollen Lippen nähern sich den meinen bedrohlich. Schwesterlich leg ich ihm den Arm um die Schultern. "Hörste ma", sag ich, "wir haben Brüderschaft getrunken, und so verhalten wir uns auch." Er grinst über beide Ohren. "Dein Nobelschuppen bekommt dir nich!" Er grinst weiter. Wie ein frecher Schulbub.
Das Ehepaar neben uns beobachtet äußerst belustigt das Schauspiel. Er besucht einen Ärtzekongress, sie begleitet ihn und wird in nicht einmal einer Stunde 40. Sieht man ihr nich an. Ihren Mann würd ich dafür gerne mal länger ansehen.
Neben jenem Paar sitzt ein zweites. Wesentlich älteres. Sie schreibt Krimis. Für Senioren. Eine eigene Website hat sie auch. "Weisste, min Dirn, damals, als ich Krankenschwester war, da hatten wa die meisten Einlieferungen zur Tatort-Zeit."
Sie kuckt mich an, aus ihren weisen, hellblauen Augen. Sie blickt in mich.
"Steh auf." Das ist keine Frage. Wie in Trance erhebe ich mich leicht wankend von meinem Barhocker. "Klopf dir jetzt mit deiner rechten Hand auf die linke Schulter und sag: ich bin eine klasse Frau!". Stumm schüttel ich den Kopf. "Doch!!!", befiehlt sie. "nein nein, das kann ich nicht." Ich fange an zu weinen. Wie kann sie mich kaum kennen und in so wunde Punkte stieren? Sie bleibt hartnäckig, und als ich mich schluchzend ihrem Befehl beuge, strahlt sie fast so honigkuchenpferdmäßig wie der Koch. "So, und jetzt mit beiden Händen auf die Schultern und: ich schaffe das!" Ich tue, und sie ist glücklich. Ich bin sehr aufgewühlt, gerührt und trotzdem auch ein bisschen glücklich.
"Deine Seele ist auf Halbmast, Thisbe." Ich nicke und wische mir die Tränen von der Wange.Scheisse verdammt, was is das denn? Was will die Alte? Heul nich, Thisbe.
Draussen tobt der Sturm. Ist es das Tosen der Wellen, oder des Weizens, das in den Ohren klingt?
Es ist der Koch. "Yvetta!!!" lallt er mir ins Ohr. Nein, das bin ich nicht. "Die Yvetta, die strippt da unten in dem Lokal. Oi." Der Arme hat nicht nur tüchtig einen im Tee, sondern ist auch schwer verliebt. "Weisste was. Wir gehen da jetzt hin, zu deiner Yvetta, und dann ..." "Ohhh Gott Thisbe, das würdest du tun???" Ja, schwer bescheuert, wie ich bin.
Dieser Strip-Puff ist extrem verraucht. Den Koch habe ich auf Yvetta losgelassen, mit einem Zettel, auf dem seine Telefonnummer steht. Ich beobachte, wie er sich die Zähne ausbeisst. Kaum sitze ich an der Bar (immer noch in Wintermantel und Schal gepackt, extrem prüde fühlend), kommt so ein Sylter Pseudo-Intellektueller auf mich zu und nimmt ungebeten meine Hände in seine. "Die sind aber kalt". "Spinnst?" antworte ich ihm, "deine sind kalt! ICH arbeite NICHT hier." Er glotzt blöd und geht.
"That's a private hour." Mit diesen unbefriedigenden Worten entlässt die Yvetta meinen Koch. Manche Frauen wollen eben doch nur die Kohle.
Unter Einsatz meines Führerscheins fahre ich den Koch nach Kampen. Er zeigt mir die Dünen im Mondlicht, das wilde Kliff, und mein Gott, was soll ich sagen, ich liebe diese Insel.
Und weil ich neugierig bin, wie die Bediensteten der Bonzen untergebracht sind, lass ich mir sein Zimmer zeigen. Das Zimmer an sich ist schon schäbig, aber das Chaos! Der Mann ist versifft! Er will mir Sekt geben, und er tut mir so leid wegen Yvetta, aber ich gehe nach Hause.
In ner Kneipe sterben, das wünsch ich mir. Am Puls des Lebens.
Der Koch schwankt mir auf seinem Barhocker derart entgegen, dass ich seine Fahne riechen kann. Mehr Schnäpse als Bier, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen. An Feuer erinnert mich auch seine rote Winterjacke. Schön warm ist sie sicherlich ausserdem. Verbrennen kann man sich an dem Mann allerdings nicht. Er spuckt zuviel.
Seine vollen Lippen nähern sich den meinen bedrohlich. Schwesterlich leg ich ihm den Arm um die Schultern. "Hörste ma", sag ich, "wir haben Brüderschaft getrunken, und so verhalten wir uns auch." Er grinst über beide Ohren. "Dein Nobelschuppen bekommt dir nich!" Er grinst weiter. Wie ein frecher Schulbub.
Das Ehepaar neben uns beobachtet äußerst belustigt das Schauspiel. Er besucht einen Ärtzekongress, sie begleitet ihn und wird in nicht einmal einer Stunde 40. Sieht man ihr nich an. Ihren Mann würd ich dafür gerne mal länger ansehen.
Neben jenem Paar sitzt ein zweites. Wesentlich älteres. Sie schreibt Krimis. Für Senioren. Eine eigene Website hat sie auch. "Weisste, min Dirn, damals, als ich Krankenschwester war, da hatten wa die meisten Einlieferungen zur Tatort-Zeit."
Sie kuckt mich an, aus ihren weisen, hellblauen Augen. Sie blickt in mich.
"Steh auf." Das ist keine Frage. Wie in Trance erhebe ich mich leicht wankend von meinem Barhocker. "Klopf dir jetzt mit deiner rechten Hand auf die linke Schulter und sag: ich bin eine klasse Frau!". Stumm schüttel ich den Kopf. "Doch!!!", befiehlt sie. "nein nein, das kann ich nicht." Ich fange an zu weinen. Wie kann sie mich kaum kennen und in so wunde Punkte stieren? Sie bleibt hartnäckig, und als ich mich schluchzend ihrem Befehl beuge, strahlt sie fast so honigkuchenpferdmäßig wie der Koch. "So, und jetzt mit beiden Händen auf die Schultern und: ich schaffe das!" Ich tue, und sie ist glücklich. Ich bin sehr aufgewühlt, gerührt und trotzdem auch ein bisschen glücklich.
"Deine Seele ist auf Halbmast, Thisbe." Ich nicke und wische mir die Tränen von der Wange.Scheisse verdammt, was is das denn? Was will die Alte? Heul nich, Thisbe.
Draussen tobt der Sturm. Ist es das Tosen der Wellen, oder des Weizens, das in den Ohren klingt?
Es ist der Koch. "Yvetta!!!" lallt er mir ins Ohr. Nein, das bin ich nicht. "Die Yvetta, die strippt da unten in dem Lokal. Oi." Der Arme hat nicht nur tüchtig einen im Tee, sondern ist auch schwer verliebt. "Weisste was. Wir gehen da jetzt hin, zu deiner Yvetta, und dann ..." "Ohhh Gott Thisbe, das würdest du tun???" Ja, schwer bescheuert, wie ich bin.
Dieser Strip-Puff ist extrem verraucht. Den Koch habe ich auf Yvetta losgelassen, mit einem Zettel, auf dem seine Telefonnummer steht. Ich beobachte, wie er sich die Zähne ausbeisst. Kaum sitze ich an der Bar (immer noch in Wintermantel und Schal gepackt, extrem prüde fühlend), kommt so ein Sylter Pseudo-Intellektueller auf mich zu und nimmt ungebeten meine Hände in seine. "Die sind aber kalt". "Spinnst?" antworte ich ihm, "deine sind kalt! ICH arbeite NICHT hier." Er glotzt blöd und geht.
"That's a private hour." Mit diesen unbefriedigenden Worten entlässt die Yvetta meinen Koch. Manche Frauen wollen eben doch nur die Kohle.
Unter Einsatz meines Führerscheins fahre ich den Koch nach Kampen. Er zeigt mir die Dünen im Mondlicht, das wilde Kliff, und mein Gott, was soll ich sagen, ich liebe diese Insel.
Und weil ich neugierig bin, wie die Bediensteten der Bonzen untergebracht sind, lass ich mir sein Zimmer zeigen. Das Zimmer an sich ist schon schäbig, aber das Chaos! Der Mann ist versifft! Er will mir Sekt geben, und er tut mir so leid wegen Yvetta, aber ich gehe nach Hause.
In ner Kneipe sterben, das wünsch ich mir. Am Puls des Lebens.

Anima
thisbe, 03:24h
Meine alternative Seele, die brecht ihr nicht.
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