Dienstag, 24. Februar 2009
"Du siehst geschafft aus!"

Ja. Herrgott, komm zurück in die Spur, Mädel!

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Montag, 23. Februar 2009
Aus der Zukunft gestohlenes Glück. Nun trag die Konsequenz.

Ich suche seit Tagen nach Worten, doch ich finde sie nicht. Ich komm gar nicht mehr an mich ran, und wenn doch, dann sehe ich in einen schmalen Trichter, an dessen Ende sich ein Gefäß mit so vielen rasend schnell durcheinanderwirbelnden Bildern befindet, dass ich kein einziges klar erkennen kann, und durch die schmale Öffnung am Ende des Trichters schon gleich gar nicht, selbst wenn die Bilder ruhen würden.

Mosaike, Fetzen, Chaos. Und trotzdem dieses Gefühl von "on hold", das nicht schwinden will.

Vielleicht ist die Pause bis zur nächsten Sitzung einfach zu lang. Seit drei Wochen war ich nicht mehr dort, und es kommt noch eine weitere hinzu. Aber das dringende Bedürfnis sie anzurufen oder hinzugehen verspüre ich nicht. Vielleicht weil ich nicht wüsste was ich erzählen soll, weil ich keine Worte finde, vielleicht auch weil ich nicht weiß, ob ich lügen müsste. Über das Wochenende, über diese wahnsinnige Sehnsucht einfach nur abzuschalten und zu tanzen, zu betäuben (aber was?), Spaß zu haben, und darüber, dass ich dem nachgegeben habe, und ich Angst habe vor dem Gedanken, dass ich es gern wieder und wieder tun würde. Die Abstände sind mir gerade zu kurz. Ich bin weit weg von mir.

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Sonntag, 22. Februar 2009
Da feierte Ka*rotte also seinen 40. Geburtstag im Lo*ft, und wir feierten spontan mit. Ich kannte diesen Herren bisher ja nur aus den schwärmerischen Erzählungen eines gewissen Mannes, und mochte ihn deswegen schon aus Prinzip nicht.

Bis gestern. Heute morgen dann benötigten wir ab 6 Uhr zwei Stunden, um uns endlich losreissen zu können. "Nur der Track noch".. "nur noch bis das Bier leer ist"..."in einer Viertel Stunde".... "besser kanns jetzt eigentlich gar nicht mehr werden - oh, doch!".... Weg kamen wir letztendlich nur, weil um 8 Schicht im Schacht war. Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass mich diese Art von Musik so lange am Stück dermaßen gefesselt hält. Er trieb uns so elegant und doch bestimmt vorwärts, dass ich irgendwann gar nicht mehr wusste, wie diesem Gefühl Ausdruck verleihen. Ich bin eigentlich eine eher schüchterne Tänzerin, vor allem in solchen Läden, es war das erste mal, dass ich mit so einer absolut hemmungslosen Leidenschaft alles losgelassen habe. Und es fühlte sich großartig an, frei, sexy, wild.

Ich muss aufpassen. Viel besser, als bisher. Ich mache mir Sorgen um mich.

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Mittwoch, 18. Februar 2009
Im Westen nichts Neues. Unser Kühlschrank ist jetzt der Balkon.

Es läuft ruhig, aber in mir ist es unruhig. Ich schäme mich meines letzten Beitrags, deswegen ist er wieder weg.

Der Ex sieht fertig aus, und wenn er redet klingt es, als sei er seit Tagen wach.

Es fühlt sich an als hätte jemand auf "Pause" gedrückt. Eine merkwürdige Pause, eine faktisch nicht vorhandene, denn es läuft alles weiter, die Arbeitstage sind lang, und in meinem Unterbewusstsein sammeln sich Gedanken an, die ich noch nicht wahrnehme.

Ich hoffe, es spult dann keiner schnell vor.



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Freitag, 13. Februar 2009
Gebolzte Poesie
"Wenn Liebe durch den Magen geht,
warum kommt dann am Ende
immer nur Scheiße raus?"




Ich war überrascht, von solch einem Event in Mannheim zu hören. Noch überraschter war ich von den "Bolzern". Es war alles in allem ein überraschend schöner, erheiternder Abend, der zum Lachen brachte und zum Nachdenken anregte, und der Gewinner wurde es verdient.

Es folgen etliche Gläser Rotwein, eine ernste Konversation und ein beschwingter Weg nach Hause, über die Tankstelle im Ghetto, die Zigaretten sind mir beim weinseligen Zusammensein ausgegangen.

"Sind Sie grad angereist?" "Nein." "Reisen Sie gerade ab?" "Äh nein. Falls die diese Vermutungen aufgrund meiner Tasche anstellen: das ist mein Arbeitstrolly. Mit Laptop und so nem Scheiss." "So nem Scheiss!" Er lacht. "Was machen Sie denn? Sie sehen aus wie so ne Geschäftsfrau. Oder ne Managerin oder so." "Ich bin naja, also...." "Ey bei was für ner Firma sind Sie denn?" "Einer Unternehmensberatung." "Ja man. Das dacht isch mir!" Er lacht wieder, ich muss schmunzeln. "Was machen Sie denn da? Managen. Oder ne, ich weiss jetzt: Marketing!" Sein Lachen ist ansteckend. "Is ja auch egal. Hauptsache die Kohle passt!" "Ne, tut sie nich. Was mich da hält?" Er nickt. "Ich mag die Leute, meine Kolleginnen, und die Arbeit." "Ey das is ja wie hier bei Aral! Scheiss Laden, hey, aber isch mag die Leute!" "Siehste, gar nicht so unähnlich", lächel ich zurück. "Was machstn jetzt da?" "Ich bin nur sowas wie die Vertriebsassistenz, sagen wir es so. Das klingt so....." ".. normal! Das klingt so normal!" "Ja, genau das ist es auch!"

Normal. And I like it. The whole fucking normal way of life.




Freitag, 6. Februar 2009
was bleibt
das ist doch alles selbstbetrug. mein leben ödet mich an. ich öde mich an. die therapie, momente der hoffnung, des vermeintlichen glücks. ich stopfe die wochen voll, und wenn ich von der arbeit so müde bin, dass ich nichts mehr stopfen kann, schlafe ich, und ich schlafe viel an den wochenenden. was gaukel ich mir eigentlich vor.

was bleibt ist der selbsthass. der hass auf meinen körper, der hass auf mich, weil ich bin wie ich bin. nichts davon ist weg. dahin verschleudert die kasse also ihr geld, in sinnlose therapien, weil menschen so blöd sind, nicht klar zu kommen. ich hasse derzeit alles was ich tue, meine arbeit, das klavier. ja, das wars auch schon. was tu ich denn sonst noch. nichts. heulen, ja.

vollstopfen will ich mich mit chemie bis ich umfall. das war dann vielleicht wenigstens noch ein rauschendes fest. was ist daran unechter als an dem glück, dass ich mir ohne drogen zurechtbastel. überhaupt, dieses zurechtbasteln. ich komm nicht klar mit mir.

was bleibt bin ich, allein. oder ein haufen scheissdreck. oh ja, suhlt euch in eurer freude, dass sich wieder jemand bemitleidet, oder wie auch immer ihr es nennen wollt. das lenkt euch wenigstens von euch selbst ab. denn vielleicht bleibt bei euch unterm strich auch nichts.



Samstag, 31. Januar 2009
Zwischen alt und neu, Erinnerungen fliegen vorbei. Das Bild einer Einschulung, ein Mädchen, mit großen, dunklen, blauen Augen, der Versuch eines Lächelns. Verloren wirkt sie, und wie in einer Glaskugel. Nichts kommt rein, nichts komm raus, nur in ihren Augen spiegelt sich alles wider.

Die Nelken auf ihrer Zuckertüte verbreiten einen so intensiven Geruch, dass sie davon Kopfschmerzen und Übelkeit bekommt. Zu viele fremde Kinder, neue Einflüsse. Zuviel. Zuviel von dem, was man in ihren Augen liest, die einfach nicht feucht werden wollen.

Als sie dieses Foto vor sich sieht, auf dem Wohnzimmertisch, sitzt sie wieder in der Glaskugel, von einem Moment auf den anderen, während ihr Vater erzählt und erzählt. Sie weiß nicht mehr, was, die Glaskugel.. sie interagiert mit den Personen am Tisch, handelt automatisch und aus alten Reflexen heraus, lacht laut und meint, "..die Nelken haben gestunken, ich rieche es bis heute". Bis sie ihrem Vater in die Augen sieht, und in seinen Augen das Wissen um alles erkennt. Das Glas zerbricht und sie weint, und er legt seine Hand auf ihre, und weint mit. Sie ist nicht mehr 6, und ist es trotzdem so sehr. Und sie verabscheut Nelken.

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