Dienstag, 3. April 2012
Cor meum, schreib hier gerade sehr viel lieber als dort.

Das ging den Kollegen heute glaub ich ganz schön an die Nieren. Du hast aber auch ganz schön gebumpert, und ich musste mich fast zusammenreissen. Es tut mir sehr leid, und meine direkte Kollegin wird mir fehlen. Den Werkstudenten würd ich am liebsten auch mit nehmen. Und ich hab eine scheiß Angst. Eine scheiß scheiß Angst. Angst vor der eigenen Courage. Dabei sagte ich doch, nimmer rückwärts. Und jetzt. Rückwärts.

Wird schon, cor meum, wird schon, nich wahr... ?

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Montag, 2. April 2012
In ihrem Zimmer ist es stickig, es riecht nach verbrauchter Luft und Fäkalien. Vor dem Fenster ist strahlender Sonnenschein. Mein Vater will ein Fenster öffnen, aber die sehr missgelaunte Frau im anderen Bett möchte das nicht, weil sie keine Socken trägt. Also Nase zu und durch.

Dreieinhalb Wochen ist der Schlaganfall nun her. Vor zwei Wochen verschlechtere sich ihr Zustand rapide, sie bekam spastische Krämpfe, konnte plötzlich nicht mehr sprechen und sich kaum bewegen. Angeblich kein zweiter Anfall, sondern Spätfolgen vom ersten. Als ich sie da sah, kämpfte ich schwer mit den Tränen.

Meine Oma ist eine Frau, die kennt keine Redepausen. Man muss auch gar nicht zuhören, das ist ihr relativ egal, Hauptsache sie kann reden. Über Gott und die Welt, zusammenhanglos, aber lustig, und oft auch interessant. Sie da nun liegen zu sehen, ohne auch nur ein Wort, das bricht mir das Herz. Immerhin ist sie die wohl meistbesuchte Frau im Krankenhaus. Die ehemalige Zimmergenossin fragte irgendwann mal: "Sagen Sie, wie groß ist Ihre Familie eigentlich???" Vier Kinder, eine davon kam extra aus den Staaten, viele viele Enkelkinder, deren Partner und Freunde, und Omas Freundinnen. Ein Kommen und Gehen. "In zwei Wochen bist du auf dem Ostertanz, Mutter!", sagte ihr einer ihrer Söhne. Wir sind eine lustige Familie. Meistens.

Heute sah sie ein bisschen besser aus. Kann zumindest eher mal ein paar wenige (undeutliche) Worte sagen. Lachte über das, was Papa und ich ihr erzählten.

Irgendwann entdeckte Papa an ihrem Schlafhemd-Kragen Blut, und schaute in den Ausschnitt. "Was hast du da gemacht?", fragt er. "Hast du gekratzt? Hast du da eine Blutblase?" Eine rote, wabbelige Blase lag auf ihrer Brust. Oma verzog die Mundwinkel und schaute wie: "Äh keine Ahnung?!?!"

Wir waren besorgt und holten den Pfleger. Der kam, sah, und grinste: "Das ist Marmelade". "April April, die Oma hat uns total verarscht!", sage ich mit einem Zwinkern in ihre Richtung. Und Oma... lachte.

Ich will mir das merken, genau das. Es war wirklich zum Brüllen. Situationskomik zu vermitteln is nich mein Ding.

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Donnerstag, 15. März 2012

Wenn coole Macker abends in T-Shirt mit Gänsehaut auf den Armen durch die Straßen streifen, wenn hormongeschwängerte Jungs mit ihren Karren andere Autos mit 70 rechts auf dem Gehweg überholen und wenn Zerrer im Stau auf der Autobahn abends um 18:30 Uhr ihr Cabriodach öffnen und die Sonnenbrille aufsetzen... dann .. ja dann... muss Frühling sein.

Happy Frühlingsgefühle allerseits!

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Mittwoch, 14. März 2012
Liebes Tagebuch,

heute habe ich mit einer Frau geredet. Und sie mit meinen Brüsten. Dann kurz mit meinen Augen. Und dann wieder mit meinen Brüsten. Ok, sie war klein. Ich war trotzdem irritiert. Bei gleicher Gelegenheit einen attraktiven Lehrstu*hlinhaber kennengelernt. Der hat nicht mit meinen Brüsten geredet, oder es besser getarnt. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Möchte betonen, dass ich heute nichts weit ausgeschittenes oder enges anhatte.

Erfahren, dass mein Wer*kstudent intern und inoffiziell auch "Das Schnittchen" genannt wird. Das... verstehe ich.

Beim Psychoonkel gesessen. Er hat mich genervt. Ich hab ihn glaub ich angestrengt. Hab mir während des Gesprächs gedacht, dass ich echt nicht alle Tassen im Schrank hab. Denk ich mir jetzt immer noch, bin verärgert mit mir selbst, und trinke ein Bier.

Bis bald! Herzlichst,
Deine Thisbe.

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Montag, 12. März 2012
Am Freitag treffe ich mich mit HaGa. Manchmal bin ich fast sauer dass er mir einen Job angeboten hat, und noch viel mehr sauer, dass er sich so reinhängt, den Job für mich maßzuschneidern.

Mein Bauch sagt mir da ganz andere Dinge. Heute nochmal neue Fotos machen lassen. Cor meum, ich bin gnadenlos mit mir, das ist grauenhaft, und es tut mir leid. LeSchwe meint, ich sei, O-Ton, denn ich selbst tu mir echt schwer mit dem Wort, sowohl wegen der Aussage als auch wegen dem Wort ansich... nun denn ... "sauhübsch". Cor meum, was sieht sie da? Ich seh da nur Haare. Ich bin Haare!

Ich freu mich aufs Wochenende in MA. Mit LeSchwe. Auch ein bisschen auf das Gespräch mit HaGa. Es schmeichelt uns. Aber auch aufs Kino, und auf die Premiere von unserer Theatergruppe, bei der wir aktiv dabei gewesen wären, wenn wir nicht von dannen gezogen wären. Ich fieber mit, als wären wir mitten drin, und bin voller Vorfreude. Und auf den Brunch am Sonntag mit den ganzen und allen freu ich mich. Fast schon sowas wie ein Familienbrunch. Nein, es ist ein Familienbrunch. Mit meiner MA-Familie.

Bis dahin. Ich hab mir geschworen, dass ich da in Ber*lin jetzt endlich mal anrufen muss. Sobald ich alle Fotos in Profiqualität habe. Es muss jetzt echt mal sein. Kann ja nicht angehn.

Ach ja. Cor meum. P. ist ein Arsch. Das ist uns zwar nicht neu. Kann aber nicht oft genug betont werden.

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Dienstag, 6. März 2012
Dies felices.
Auf der Suche nach etwas auf Dinge gestoßen, die ich nicht gesucht habe und auch nicht finden wollte.

Hey Kids, endlich nicht mehr so heiß. Trotzdem schönes Wetter. Wunderschöne Strände - ohne Quallen. Mein gutes Englisch versteht manchmal keiner! Begeistert bin ich vom Jersey-Zoo - beispielhaft artgerechte Haltung. Grüße an L + H. Eure N.! Ich freue mich, Euch wiederzusehen!

N. Diesen Kosenamen habe ich vergessen. Als ich es da lese spülen Wogen der Erinnerung an schöne Tage über mich hinweg.

Aus einem anderen Urlaub:
Sitze in einem schönen, weißen andalusischen Ort auf der Terrasse mit Blick auf Meer. Sonne scheint, Wind noch leicht frisch. Einfach schön. Mama. Aus der Box tönt Techno

Sie fehlt mir so sehr. Ich wünsche sie so sehr dorthin zurück, an genau diesen Tag.

Kurz danach mit Papa telefoniert. Das tut auch nur noch weh. Es reicht schon, dass ich Mama immer mehr verliere. Dass ich ihn auch immer mehr verliere und er es nicht mal merkt oder zumindest nicht anspricht, schmerzt. Damals, mit 14, habe ich über Jahre geschluckt und einfach die Stille ausgehalten. Obwohl es schrecklich für mich war. Aber von ihm kam nichts. Das muss ich jetzt nicht mehr aushalten. Ich werde es jetzt einfach mal genau da adressieren, wo es hingehört, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Ich weiß, dass ich immer gegen seine Frauen verliere. Und was das mit mir macht. Jetzt wie damals. Zeit, ihm das mal zu sagen.

Es sind traurige Tage.

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Sonntag, 4. März 2012
Felix dies natalis.
"Wird gefeiert?", fragt er. Nein. Was auch?

Gestern auch nur Unverständnis geerntet, als LeSchwe und ich die Einweihungsparty des Kollegen um 22 Uhr verlassen. Ich bin so müde. Sie auch. Sie haben dort extra Sekt gekauft um um 0 Uhr auf mich anstoßen zu können. Das ist süß. Aber ich habe schon die ganze Zeit gesagt, dass ich nicht feiern will. "Ich versteh es nicht", sagt das Gastgeber. Musst du auch nicht, denk ich mir. Bei Fasching ist es doch auch legitim, sich dem Spaß auf Knopfdruck zu entziehen. Warum nicht am Geburtstag?

Das ist ein schlimmer Geburtstag für mich. Ich glaube der hässlichste seit meinem 18. Papa meldet sich sonst nicht mehr, und heute war es einfach nur kühl und distanziert. Die blöde Frage seiner Frau "Na, keine Krise trotz 32?" lässt mir auch nur die Galle hochkommen. Morgen bringt sie mir in die Arbeit mein Geschenk mit, sagt Papa. Das finde ich scheiße. Ich mag jetzt hier nicht erklären, warum, abgesehen davon, dass gerade das letzte, was ich von den beiden brauche, ein Geschenk ist. Heute Nachmittag, nachdem LeSchwe abgereist ist, döse ich und habe einen Alptraum von ihm. Ich wache mit Herzrasen auf, und es geht nicht mehr weg, ich habe Angst, eine Panikattacke zu bekommen und gehe in Sport. Da wird es besser. Jedenfalls bekommt das Herzrasen einen physischen Grund.

Danach eröffnet Mama mir, dass ihr Kra*nkengeld zu gestern ausgelaufen ist. "Wach auf, du bist so gut wie Arbei*tslosenge*ldempfängerin!", rufe ich wütend in den Hörer. Und sie legt auf. Mein Bruder ist in Du*bai. Aber jetzt gibt es nichts mehr zu entscheiden.

Da bleibt grad nicht viel neben Tropfen an den Wimpern.





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