Donnerstag, 29. November 2012
Der dicke fette Pfannkuchen (Tag 2) – 05.11.12
Es muss ein Rucksack her. Das erweist sich als unproblematisch. Ganz anders das Thema Gummistiefel - die Insel scheint ausverkauft. Eine mitfühlende Verkäuferin verweist mich an einen Laden mit Reitzubehör. Das ist mir dann aber echt zu arg: 300 Euro für Reitstiefel zum Spazierentragen.. So werde ich also weiterhin meine Winterstiefel aus Wildleder strapazieren. Immerhin sind sie unschlagbar warm und haben eine mehrere zentimeterdicke Sohle. Wird schon schief gehen.

Das Wetter hält seit meiner Ankunft erstaunlich gut. Bisher hat es nur spät abends oder nachts geregnet. Auch jetzt sammeln sich zwar dunkle Wolken im Westen, aber ich fahre Richtung List und somit gen Sonne. Ich parke kurz hinter der Mautstelle und mache mich an der ganz nördlichen Küste auf den Weg um den Ellebogen abzulaufen. Es ist traumhaft. Die Sonne scheint, die Wellen schaukeln an den Strand, es sind nicht viele Menschen unterwegs.

Heute könnte ich nicht mehr sagen, was ich dort gedacht habe. Vielleicht denke ich auch nichts. Wahrscheinlich denke ich aber einfach auch sehr unbewusst, bzw. lasse ich die Gedankenäffchen klettern.

Vorne an der Spitze des Ellebogens zeigen die Wellen die starken Strömungen auf. Ein einsamer Angler sitzt an genau dieser Stelle am Strand, hinter ihm stehen einige Menschen.. und ich. Wie hypnotisiert starren wir auf das aufgewühlte Meer. Es fasziniert und fesselt mich unglaublich, wie offensichtlich mächtig die Strömungen hier sind.

Auf dem „Rückweg“ und somit dem südlichen Part des Ellebogens bestaune ich Muscheln, schaue Möwen beim Tanzen zu, beobachte andere Spaziergänger, halte meine Nase in die Sonne und freue mich über das Glitzern auf den kleinen Wellen. Ab einem gewissen Punkt ist man dann gezwungen vom Strand auf die Straße zu wechseln. Das ist der Moment, in dem mir meine Beine bewusst werden. Es läuft sich auch einfach nicht so angenehm auf Asphalt, auch wenn man weitgehend noch auf Trampelpfade an der Seite der Straße ausweichen kann. So traumhaft diese Exkursion war – ich bin doch froh, als ich wieder im Auto sitze.

Die Dame im Mauthäuschen frage ich, ob sie mir ein nettes Café mit leckerem Kuchen empfehlen kann. Das kann sie – die „Alte Backstube“. Der Knüller. Das Dressing für den Feldsalat muss von Zauberhänden zubereitet worden sein, und an dem riesen Pfannkuchen, gefüllt mit roter Grütze und Vanilleeis, war mit Sicherheit Engel beteiligt. Der Pfannkuchen ist dermaßen groß und dick und toll, dass ich an das Buch denken muss, dass meine Mama mir als Kind immer vorgelesen hat. Das Buch vom dicken fetten Pfannkuchen.

Ich bin dermaßen pappsatt und glücklich, dass ich auf die Frage, ob alles in Ordnung war, nur aus tiefstem, vollem Bauch tönen kann „es war die Wucht“. Das Café selbst erwärmt ebenfalls mein Herz. Die Einrichtung ist wunderbar, ganz gemischt, mit vielen altertümlichen Sofas, unterschiedlichen Stühlen und Kronleuchtern, und schönen dunklen Holztischen. Musikalisch werden wir von Melodien verwöhnt, die mich an die Goldenen 20er erinnern.

Ich versinke auf „meinem“ Sofa, trinke Tee und lese. Draußen ist es inzwischen dunkel und eigentlich möchte ich mein neues Wohnzimmer gar nicht mehr verlassen. Tue es dann aber trotzdem. In Wenningstedt zwingt mich ein inneres Gefühl dazu, einen Abstecher zum Strand zu machen und in der Dunkelheit noch ein paar Schritte zu gehen. Ich parke auf dem Parkplatz vor dem neu erstellten Goschtempel (das ist mir irgendwie auch zu krass. Dem gehört doch bald die ganze Insel..).

Es ist so dunkel, dass ich den Holzsteg hinunter zum Strand nur schwer finde, und als ich ihn endlich unter meinen Füßen habe und ich in die Dunkelheit stapfe, wird mir mulmig. Ich sollte nicht so viele Krimis lesen. Über mir hängt ein wundervoller Sternenhimmel, der Himmel ist klar, nur den Mond finde ich nicht. Oder ist Neumond? Ich folge dem Steg durch die Dünen, immer Richtung Meeresrauschen.

Es ist ein sehr eigenartiges Gefühl an einem breiten Strand in der Dunkelheit zu stehen, vor einem das offene Meer. Es kommen auch eigenartige Gedanken in mir auf, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob es Angst, Lust, Zweifel oder einfach die Freude an schaurigen Gefühlen ist. Wie es zum Beispiel sein mag plötzlich reingezogen zu werden in die dunkle See. Und ich frage mich, ob die See eine Seele hat. Sie kommt mir wild und hungrig vor, als würde sie in Form ihrer Wellen die Arme nach mir ausstrecken, mich locken, rufen, eine Mischung aus „Nimm dich in acht… komm her… nimm dich in acht… wir sind da… komm her…“..

Da schüttelt es mich und ich gehe lieber schnell zurück zum Auto und düse nach Westerland in mein Wohnklo. Es bleibt ein kleiner Appetit, und ich suche die Shi*robar auf für ein sehr leckeres Take-Away Sushi.

Weniger Krimis lesen. Was der Watzmann-Story Berg und Bua sind, sind meiner Story Nordsee und ich. Gruselig. Immerhin denk ich mir nicht „Vatter, i muss naus, naus auf die See!“








Dienstag, 20. November 2012
Cor meum.
Morgen habe ich mein erstes klassisches Date-Date seit geschätzten 10 Jahren. Alles dazwischen war immer irgendwie anders.

Und dann ist da noch der eine..

Herzklopfen.

res cordis ~ ... link (1 Kommentar)   ... comment



Sonntag, 18. November 2012
Moin (Tag 1) – 04.11.12
Seit ich nicht mehr rauche, haben sich meine Schwierigkeiten morgens aus dem Bett zu kommen in etwa halbiert. Mindestens. Und so kommt es, dass ich in meinen ersten Tag auf der Insel beschwingt und gar nicht so spät starte. Nach einem kleinen Frühstück treibt es mich zu Strand – ich wähle eine Strecke ab dem südlichen Rantum.
Von einem Parkplatz aus laufe ich über die Dünen Richtung Strand. Es ist das erste mal seit sechs Jahren, dass ich diesen so absolut typischen Geruch von Dünen und Heide wieder in meiner Nase habe. Mein Gott. Was habe ich ihn vermisst! Ich hatte ja keine Ahnung! Für mich ist er so vertraut, sandig, grasig, meerig, syltig, herrlich, birgt plötzliche Gefühle von Geborgenheit, Sehnsucht, Erdung, Mutter.

Überhaupt. Mutter. Sie ist so omnipräsent, in jedem Schritt, den ich hier her getan habe und den ich hier tue. Etwas Untrennbares und Tiefes, das uns verbindet, ist die Liebe zu dieser Insel. Meine Mutter mag mich unberechtigter- und unfairerweise in vielen Dingen ihr gleich gemacht haben (was mir das Leben an der ein oder anderen Stelle unglaublich und unnötig erschwert, so lange ich mich davon nicht löse), aber in diesem einen Punkt liebe ich sie für diese Schwäche, nämlich für diese Liebe für und Sehnsucht nach Sylt.

Ich nehme die letzten Treppen auf der Holzstiege über die Dünen, und dann liegt es da. Nein es liegt nicht, es rollt, es zehrt, es will. Das Meer. Die See. Die geliebte Nordsee. Silbern schimmern die Schaumkronen in der Sonne, es ist noch leichte Ebbe, der Strand ist relativ breit, nur wenige Menschen genießen den Gang an der Gischt. Über viele Meter hinweg rollen Wellen an die Küste, umspülen sie, umarmen sie, greifen und stehlen sie. Und das Dünengras beugt sich dem Wind. Die Szenerie liegt vor mir wie ein Gemälde, und ich lebe mitten drin.

Es fühlt sich alles vollkommen surreal an. Dass ich wirklich wieder hier bin. Dass ich den Sand unter meinen Schuhen spüre, dass ich das Salz auf meinen Lippen schmecke, dass feiner Sprühnebel von den brausenden Wellen auf meinem Gesicht liegt. Wie konnte ich so lange ohne sein? Ich liebe das alles so sehr, dass ich mich frage, ob denn tatsächlich schon Vokabeln dafür erfunden wurden.

Aber ob oder ob nicht. Egal. Es ist fantastisch, und mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht und aufsteigenden Juchizern in meiner Brust stapfe ich Richtung Süden. Strandgut, Muscheln, Steine, Scherben, und Sand Sand Sand. Das Meer riecht SO GUT. Vereinzelt begegnen mir Paare, nur wenige einzelne Spaziergänger scheinen unterwegs. Die Sonne blendet mich, aber erst spät ringe ich mich zu einer Sonnenbrille durch – ich will alles sehen wie es wirklich ist. Ich will es in mich aufsaugen! Mit Augen, Nase, Lunge, Ohren, allen Sinnen. Es ist als hätte eine lang vergessene Sucht schlagartig wieder von mir Besitz ergriffen. Phänomenal.

Kurz vor Sansibar kehre ich um. Irgendwie traue ich mich nicht dahin. Es ist wie mit Kampen. Meine Mutter hatte nie Hemmungen egal wo auf der Insel zu verkehren (und damit meine ich vermutlich nicht nur gastronomische Einrichtungen). Sie war einfach da. „Hallo, hier bin ich, mir gehört die Welt, und jetzt tanzt mit mir!“ Und sie hatte Spaß. Das wusste ich schon mit 6 (auch wenn es mir damals nicht gefiel). Als ich Anfang 20 war, schleppte sie mich überall mit hin. Nach Westerland in diverse Schuppen, nach Kampen in die Sturmhaube und in die Kupferkanne, und damals war es auch, dass ich bei einem Sommerurlaub mit ihr ein paar junge, reiche und fesche Typen kennenlernte, die mich ins Pony einluden und mit denen ich danach bis in die Morgenstunden in einem Stripclub in Westerland abstürzte. Es war der Knaller. Damals war ich mit Muttern auch in der Sansibar, und eine attraktive ältere Dame vernarrte sich in mich und meinte, wenn ich nicht berühmt sei, wer dann. Ich lachte damals nur, aber sie beharrte darauf. „Sie sind so attraktiv! Sie MÜSSEN berühmt sein!“. Nein. Anyway.

Ich kehre heute jedenfalls um, und auf dem Rückweg begegnen mir drei attraktive Kerle, die mit Sicherheit keine Hemmungen haben in der Sansibar einzukehren und mich frech und auffordernd anlächeln. Ach, denke ich mir. Thisbe. Du dumme Kuh. Bitte ringe endlich deine Zweifel nieder. Ringe sie nieder, und nimm dir einfach was du willst. Nimm dir Sansibar. Nimm dir Kampen. Nimm dir alles. Und wenn einer ein Problem damit hat, soll er dran ersticken. Ich hasse meine Unsicherheit und mein angeschlagenes Selbstbewusstsein. Hätte ich die drei angesprochen, ich könnte meinen Arsch drauf verwetten dass wir ein paar heitere Stunden gehabt hätten. Egal ob in der Sansibar oder sonst wo.

Den Nachmittag bringe ich am Morsum Kliff und (nur kurz) in Keitum zu. Der Himmel hat inzwischen zugezogen und am Morsum Kliff herrscht eine verwunschene Stimmung. Als könnte gleich ein Mord passieren. Kennen Sie sowas?

Völlig schockiert hat mich, dass scheinbar Nielsens Kaffeegarten in Keitum dicht gemacht hat. Erst die abendliche Recherche kann mich darüber aufklären, dass Umbaumaßnahmen stattfinden und wir ab 2013 mit seiner Rückkehr rechnen können. Phu. Also das wär ja was gewesen. Mamas altes Café dicht. Mit dem tollen Blick übers Wattenmeer. Ne.

Immerhin ist der alte Lorenz in der Dorfmitte noch da. Glaube ich. Jedenfalls ist da noch ein Reitstall. Wenn Sie Reiter sind – gehen Sie dahin! Es sind die wunderbarsten Ausritte der ganzen Welt. 2 Stunden lang am Morgen Richtung Norden, durch wunderschöne verhexte Dünen- und Heidelandschaft, und mit gnadenloser Attacke am Strand. Aaaaahhh… vergessen Sie Sex. Leider bin ich seit Jahren viel zu ungeübt um diesmal in diesen Genuss zu kommen. Das bestärkt mich aber nur in meinem jüngst aufkeimenden Wunsch, wieder Reitstunden zu nehmen. Ich glaube, über den alten Lorenz habe ich in diesem Blog schon etwas geschrieben. Ich muss es verlinken wenn ich wieder online bin.

Tja. Und dann war es Abend, und ich überlege, wohin bloß mit mir, an welchen Abendtrog. Ich entscheide mich für das Ste*ak- und Ha*xenhä*uschen in der Keit*umer Ch*aussee. Dass ich dort inkl. Trinkgeld über 50 Euro lassen würde, war mir vorher zwar nicht klar, aber im Nachgang jeden Cent wert. Die Bedienung ist groß, blond, mit Pony und sehr sympathisch. Freundlich fände ich hier unangebracht. Das hat so etwas Unpersönliches. Und so ist sie nicht. Sie ist persönlich und gut und verbindlich.

Ein kurzer Blick auf die Tageskarte lässt mich die Lammhaxe mit Rosmarinkartoffeln und Prinzessbohnen wählen. Liebe Leute. Es ist ein Gedicht. Dazu ein bombastischer Shiraz, der ebenfalls jeden Cent der 8 Euro pro Glas wert ist. Der Herr des Hauses schaut auch immer mal wieder vorbei, und beim Absacker, einem hammermäßigen Kakao-Schnapps, verquatschen wir uns ordentlich über seine Tochter, die angeblich (ich möchte ihm das glauben) mit ihrer Agentur den „Geiz ist geil“ Slogan erfunden hat (und das hat er keineswegs rausposaunt.. wir hatten es von kik und Discountern, und „Bio“ aus Ecuador und Chile, und ich sagte irgendwann ironisch „Geiz ist geil“ … da erwähnte er das dann). Außerdem berichtet er mir von unbezahlbarem Mietraum auf der Insel, von 4000 Pendlern pro Tag, davon, dass er ein Häuschen hinter dem Restaurant hat, er ein alter 68er aus Hamburg und inzwischen 71 ist und gerne verkaufen möchte (Leute, gebt mir nen Kredit!) Meine Auskunft auf seine Frage, in welchem Hotel ich wohne, quittiert er nur mit der Aussage „Wohnklo“ (traurig aber wahr, aber vergessen Sie nicht – das Wohnklo ermöglicht mir finanziell, am Abend für 50 Euro in Restaurants wie seinem zu speisen. Wie ist das bei Ihnen – sparen Sie lieber beim Schlaf oder beim Essen? --- Eine bessere Matratze wäre mir das nächste mal aber auch mindestens 10 Euro mehr pro Nacht wert…)

Seine reizende Bedienung, die nur wegen der Liebe seit 2 Jahren auf Sylt ist, gab mir einen Wellness-Tipp in Hörnum und warnte mich vor den betrunkenen Typen drei Tische weiter. Und sie meinte, von der Insel sage man, dass sie einen glücklicher machen könne als man eh schon sei, aber auch viel unglücklicher, als man sei. Vor allem Single-Frauen, die hier her ziehen würden, wären brutal gefährdet. Viele davon würden auch nicht rausgehen. Da brauche man ja auch einen bestimmten Charakter zu, einen kommunikativen, meinte die Frau. Und dass sie es toll fände, dass ich, eine Frau, alleine hier in diesem Restaurant sitzen würde. Ich sagte: „Also ich bin solo. Wenn ich darauf warten würde, nicht alleine in den Urlaub fahren zu müssen, dann würde ich mich erschießen. Alle fahren mit ihrer Familie oder ihren Partnern. Deswegen bleib ich doch nicht zu Hause hocken. Ich bin das so gewohnt. Und ich bin es auch gewohnt, dann abends nicht im Hotelzimmer zu weinen, sondern mir Gutes zu tun.“ Tolles Essen, das ein oder andere interessante Gespräch – das sei doch wohl herrlich! Und sie meinte, tja, ja, erschießen, dass tun sich wohl dann auch einige dieser Alleine-Frauen, die schon in ihrem ersten Winter auf der Insel totunglücklich werden, weil sie eher so sind: „Was – alleine irgendwohin? Nein – da bleibe ich lieber alleine zu Hause“.

Die Kellnerin hat einmal ein Jahr allein in Australien verbracht. Und überhaupt, ihre ganze Erscheinung schreit – ich kann! Ich mag sie sofort und immer mehr, und am liebsten wäre ich in dieses gemütliche Restaurant sofort eingezogen. Mit der Rechnung reicht sie mir schriftlich ihren Wellness-Tipp (da hat man Blick auf die Dünen), damit ich ihn auch nicht vergesse.
Ich beschließe ein Offline-Tagebuch zu führen – was nun dies hier ist. Und bevor ich das schreibe, kaufe ich mir an einem Kiosk zwei Flensburger Pilsener, ausgezeichnet von Ökotest mit „sehr gut“. Sehr gut, oder? Wobei der Shiraz echt bombe war…

Wir haben alle Sorgen. Aber manchmal denke ich mir, eigentlich habe ich keine. Ich habe heute endlich mal wieder eine Dankbarkeit gespürt, die ich wohl schon oft hätte spüren müssen. Und es war aufrichtig. Ja. Mama ist schwierig. Und ich bin bald 33, unverheiratet, solo, kinderlos (ich hatte gerade ‚inderlos‘ getippt – das auch, ja). Viele Dinge machen mich oft traurig. Mama. Mama. Mama. Und sehr vieles mehr. Das fängt bei der Ausbeute von Bienen an (echt, da habe ich einen ganz widerlichen Bericht gesehen, wo der Ami-Imker zum Summen der Bienen in der verdammten Monokultur meinte „aaahh… so klingt Geld“.. man möchte kotzen), geht über Trauer bei Waschbären auf Betonböden in Tierparks, bei Eisbären auf schmelzenden Eisschollen, bei den Nachrichten könnt ich sowieso meistens heulen, bei sterbenden Landschaften auch … manchmal glaube ich, ich fühle zuviel. Wirklich jetzt.

Aber mindestens genauso viele Dinge machen mich glücklich, vor allem seit ich den Schritt zurück nach Mannheim gewagt habe. Die Musik! Musik, wie wunderbar, ganz unabhängig vom Genre, wie viele Möglichkeiten haben wir Stimmungen und Gefühle in Ton und Klang auszudrücken. Traumhaft! Und Tanz! Und Bücher, Worte, Zeilen. Gedanken. Der Duft von gedrucktem Papier. Wie viele Möglichkeiten, die paar Elemente unseres Alphabets immer wieder neu anzuordnen und Geschichten über Geschichten zu erschaffen. Und dann - Freunde. Gute Gespräche. Bäume, Städte, Bauten, Frotteebettwäsche, Aprikosensaft, Rotwein, Braten, überhaupt – gutes Essen! Und Sand, Wellen, der Duft von Dünen, Bilder, Künste, so viele unterschiedliche Charaktere, Reiten, das Knarzen und der Duft von Ledersätteln, Spontaneität, Zufälle, Momente. Die Welt. Und das, was sie für mich im Innersten zusammenhält. Natürlich bin ich nicht durch die Bank glücklich. Was für ein Wort. Glücklich. Das macht uns krank, das ewige Streben nach Glück. Aber ich bin zufrieden, froh. Und doch auch an Tagen wie heute glücklich. Und das ist kurios. Denn…

Nichts ist so, wie ich es mir mit 14 vorgestellt habe. Aber wenn ich ganz ehrlich bin – unterm Strich ist es für mich nun vermutlich sehr sehr viel besser.








Samstag, 3. November 2012
belangloses von der insel
Was hat Lanz da mit seinem Finger. Fühle mich belustigt an den Fitnesstrainer eines Berliner Studios für den Kurs Body Pump erinnert. Der hat auch immer mit schrägem Kopf und vermeintlich gewinnendem Lächeln seinen finger auf uns gepointet und unermüdlich wiederholt: "gib nicht auf! deine chance!!"meine bauchmuskeln haben danach sehr geschmerzt, was in dem fall weniger an den folterübungen denn an diesem komiker lag.
werde versuchen nicht aufzugeben, heute, bei lanz. meine chance!!

Inselrauschen ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment



Urlaubsgrüße II
Ich bin sehr gerne hier gewesen. Habe alle Menschen getroffen die ich treffen wollte und wertvolle Zeit mit ihnen verbracht. Mit L., die erst seit Oktober hier ist (in einer sensationellen 2Etagenwohnung mit Dachterrasse) und fast eine Nachbarin von Ph. Ph, der seit mittwoch aus der klinik entlassen ist, bei dem ich seit dienstag wohne und der soviel pflege bräuchte. heute haben wir einen lustigen letzten abend in seiner küche mir untermieter felix und seiner freundin verbracht. felix ist erst seit ein paar wochen in der stadt, er versucht sein glück mit einem kumpel, als app-entwickler bzw. erfinder und mögliche gründer in spe.

Und V. mit seinem furztrockenen humor. es ist mir immer wieder ein fest. nicht zu vergessen die vielen wunderschönen stunden mit N.; sei es beim italiener, beim bummeln, bei ihr zu hause oder bei genialem sushi.

Ich werde morgen früh fast ungern nach Sylt fahren. Nach dieser reichen Zeit in wertvoller Gesellschaft, morgen dann die Fahrt ins Alleinsein. Aber letztendlich bin ich immer allein, so wie jeder von uns. Nur haben wir ab und an das glück unsere Zeit und unser Dasein mit Menschen zu teilen, die wir schätzen und lieben.

Blaetter im Wind ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment



Donnerstag, 1. November 2012
Urlaubsgrüße I
Auch wenn ich mit dem "event" nix anfangen kann.. es reimt sich so schön... deswegen...

happy Halloween
und liebste Grüße
aus Berlin.

Gute Nacht ihr Schwärmer und Träumer, ihr Tänzer und Idealisten. Wohl euch, wohl uns..

Blaetter im Wind ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment



Donnerstag, 11. Oktober 2012
Materiae feminarum.
Von dem Antibiotikum flippt meinen Haut total aus, im Gesicht, im Nacken und im Dekolleté, Pickel über Pickel, Rötungen und gespannte Haut. Das musste jetzt einfach mal gesagt werden. Mit 32 noch mal 14 sein. Nicht schön.

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Frau Nessy hat HIER heute schon alles gesagt was es zum Thema Männersuche bzw. Kinderkriegen zu sagen gibt.

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Ich wünschte ich hätte Eier. Hab ich heute auch meinen fachlichen Cheffes gesagt. Große Irritation. Der eine meint dann, damit würde ich auch nicht weiter kommen. Ha. Das kann auch nur n Mann behaupten.

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Und hier schließt sich der Kreis: in meiner pickligen Pubertät war ich ein großer Take That bzw. Robbie Fan. Und heute kann ich sagen: das neue Lied ist echt... scheisse.

Blaetter im Wind ~ ... link (0 Kommentare)   ... comment



Sonntag, 7. Oktober 2012
Amicitia.
Scheisse. Jetzt hab ichs doch getan. Das Antibiotikum wirft mir vorwurfsvolle Blicke zu, während ich lechzend das Glas Wein an meinen Mund führe. Schuld war jetzt glaub ich Léidensgenosse Herr Referral. Damit wird er aber sicher leben können.

Durch die ganzen letzten Monate mit Ph. und unseren beinahe täglichen Telefonaten reflektiere ich manche Dinge in meinem Leben noch einmal, bzw. eher noch einmal anders. Gar nicht so bewusst. Doch was jetzt in mein Bewusstsein vorgedrungen ist, sind meine Freundschaften.

Wie sind meine Freundschaften eigentlich, und wie sind meine Freunde? Was haben sie mir bedeutet, und was bedeuten sie mir inzwischen? Haben sie sich verändert? Die Freunde? Die Freundschaften? Und ich mich? Oder beides.. oder nur die Sicht auf die Freunschaften?

Mein Bekanntenkreis ist groß. Mein Freundeskreis ist relativ klein und weit verteilt, allerdings ist er für mich so groß, dass ich mich glücklich schätze.. so denn diese Freundschaften wirklich noch das bedeuten, was sie mir einst bedeuteten. Und genau da wanke ich.

Da gibt es N. in Berlin. Wir sehen uns verdammt selten, und hören uns in den letzten 1 bis 2 Jahren auch relativ wenig. Schreiben gar nicht. Sie ist oder war einmal die wichtigste Bezugsperson für mich. In ihrem Leben haben in den letzten 2 Jahren einschneidende Ereignisse stattgefunden, ebenso wie bei mir.

K. wohnt in der alten Heimat und somit auch mehrere hundert Kilometer entfernt. Bei ihr ist es ähnlich wie bei N, wenn auch nicht so dramatisch (die Form der einschneidenden Ereignisse).

LeSchwe lebt in der Nachbarstadt, die nur durch Brücken über den Rhein von meiner getrennt ist, mit dem Auto sind es keine 10 Minuten von mir zu ihr.

Die andere K. wohnt im Großraum FFM, aber dieses Verhältnis ist irgendwie klarer - durch ihre veränderte Lebensform mit Kindern ist der Kontakt extrem abgeflacht, aber nach ein paar Jahren der Distanz haben wir uns in diesem Jahr wieder etwas angenähert. Es ist keine Beziehung, die für mich Klärungsbedarf birgt. Höchstens vielleicht ein bisschen mehr Zutun meinerseits, um eine weitere Annäherung voranzutreiben. Möglich wäre das nämlich durchaus. Und wünschenswert, nicht nur weil ich ihre Trauzeugin war, sondern weil sie mir und das was wir einmal hatten einfach fehlt.

Und dann ist da noch M., deren Trauzeugin ich ebenfalls war, die vermisst glaube ich mich aktuell sehr, obwohl wir auch keine 20 Minuten auseinander wohnen. Ich schätze, ich konzentriere mich zu sehr auf LeSchwe.. was aber sinnfrei ist, weil sie immer weniger Zeit für mich hat.

Diese 5 Frauen waren und sind immer noch die 5 wichtigsten und engsten Freundinnen, die ich habe, und in meinen derzeitigen Gedanken beschäftigen mich vor allem die Beziehungen zu den 3 Erstgenannten und ein bisschen auch die zu M.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wo ich anfangen soll meine Gedankengänge zu erkären. Es läuft schlichtweg darauf hinaus, dass ich mich frage, wie belastbar diese Freundschaften eigentlich noch sind. Wie wichtig ich diesen Menschen noch bin. Ob ich sie eigentlich noch wirklich kenne, und ob sie mich überhaupt noch wirklich kennen. Distanzbedingt ist es bei N. und K. oft so, dass wenn wir uns sehen, es immer eine Weile dauert, bis wir uns aufeinander eingependelt haben. Da ist am Anfang immer so ein leichtes Fremdeln, ich weiß nicht ob es nur mir so geht oder den anderen auch. Mit der Zeit weicht das meistens. Bei N. wird es schwieriger, habe ich das Gefühl, auch am Telefon, und das bestürzt mich wirklich sehr. Es macht mir Angst.

Letztendlich geht es für mich vermutlich auch nur um Verlustangst. Ich habe Angst diese Freundinnen zu verlieren oder an einem Bild zu hängen, dass in dieser Form überhaupt nicht mehr existiert. Ich frage mich, ob ich meine Energie und "Sehen-wollen-Wünsche" nicht auf die "falschen" Frauen lenke. Denn da gibt es noch andere, die mich gerne öfters würden sehen wollen, aber es wäre mir persönlich wichtiger, eben z.B. LeSchwe zu treffen.

Aber seit ich wieder hier bin, haben LeSchwe und ich uns kaum gesehen. Wir telefonieren öfters.. aber das kann doch irgendwie nicht sein. Und wenn wir uns gesehen haben, dann oft nicht zu zweit, sondern immer mit ihrem Kumpel S., mit dem sie Unmengen von Zeit verbringt. Ja, ich fühle so etwas wie Eifersucht, und verstehe es nicht, und verstehe es dann doch, weil... ich nicht verstehe, warum sie mich nicht mehr öfters sehen will. Ihr fehlt das, was wir hatten bevor ich weggezogen bin, anscheinend gar nicht. Ich habe sie auch auf das Thema angesprochen, und dass ich mich permanent nach hinten priorisiert fühle. Und sie meinte, sie versteht das, und sie will das ändern. Aber irgendwie .... ich weiß es nicht!

Heute z.B. kam sie aus ihrer Heimat zurück, und ich meinte sie soll sich gerne melden wenn sie abends was mit mir machen will. Ich mein, mir fällt die Decke auf den Kopf, seit Dienstag hocke ich zu Hause mit dieser scheiss Grippe, und Party machen ist eben einfach noch nicht drin. Aber sie fragte vorhin nur, ob ich mit zu irgend so einer Kirmes gehen will, da hat vorhin ein Bekannter sie gefragt, ob sie mit hingehen will. Ja ähm... Nein?! Es scheint dann auch gar nicht in Frage zu kommen, dass sie zu mir kommt und wir einfach gemütlich quatschen oder Fernsehen und Tee trinken. Und.. ich versteh es nicht. Am Telefon meint sie dann immer: "ach was würde ich nur ohne dich tun!" Aber die Taten .. sehen einfach anders aus.

Ich weiß nicht, ob meine Erwartungen an andere zu hoch liegen. Aber das mit LeSchwe beschäftigt mich jetzt seit mehreren Wochen und wurde von mir bei ihr auch zwei mal adressiert.

Und bei N. habe ich das Gefühl, dass sie so sehr in ihrer eigenen Welt ist, dass es für sie nur schwer ist wirklich offen für meine Gedanken und Sorgen zu sein. Ich weiß, sie würde zuhören, aber ich glaube ich hätte immer das Gefühl, dass sie mit einem Teil ihres Kopfes ganz wo anders ist.

Es ist ein grauenhaftes Gefühl diese Freundschaften in Frage zu stellen, vor allem die mit N. und die mit LeSchwe, weil sie mir so unglaublich wichtig sind. Klar können wir den Lauf der Dinge nicht immer beeinflussen und es gibt immer Phasen von größerer Nähe und von weniger Nähe. Aber so wie derzeit kenne ich es nicht, auch nicht bei N., und das wo wir schon seit 13 Jahren nie näher als 300 km beieinander gewohnt haben, meistens sogar 600 km.

Und dann stelle ich natürlich mich in Frage. Klar verändern wir uns alle. LeSchwe, N., und ich. N. und ich haben nicht die Möglichkeit diese Entwicklung des anderen unmittelbar mitzubekommen, aber lange konnten wir das kompensieren. LeSchwe und ich haben die Möglichkeit, aber sie nutzt sie nicht.

Mit K. habe ich darüber gestern ganz offen am Telefon geredet, und wir haben dann angefangen mit Kamera zu Skypen, das erste mal. Und das war toll! Sie zu sehen, zu sehen wie sie lacht, wie sie Chips ist, wie sie nachdenkt. Ich fühlte mich ihr einfach viel näher, und habe jetzt nicht mehr so große Befürchtungen. Wir hatten ein langes und intensives Telefonat , das hatten wir schon ewig nicht mehr. Und ich weiß einfach, dass ich ihr wichtig bin, in dem was sie sagt, und wie sie sich verhält. Und ich war unglaublich froh, dass wir gestern diese Möglichkeit für uns entdeckt haben. Das klingt absolut bescheuert, aber ich glaube es war uns eine große Hilfe uns zu sehen. Sie wollte dann auch gleich meine Wohnung sehen, und ich habe sie mit der Kamera herumgeführt. Man bekommt doch nochmal einen weiteren Eindruck, wenn man SIEHT.

[Oh man.. gerade zur Tanke gelaufen um Kippen zu holen, vor mir liefen ein paar Jungs, und einer von denen roch unverschämt gut. Überhaupt, trotz Regen ist das so eine Nacht die lockt.. naja... bald, dann mal wieder..]

Was ich mich auch frage ist, inwiefern mich das veränderte Verhältnis zu meiner Mutter in meinen Freundschaften beeinflusst. Und inwiefern mich dieses neue Bedürfnis nach sein wie ich bin und möglicher Nähe darin beeinflusst. Und die Soz*iophobie. Also unterm Strich, eben meine eigene Entwicklung und die The*rapie. Vielleicht bin ich einfach nicht mehr kompatibel?

Und ich frage mich, warum ich jetzt nicht einfach den Kontakt zu all den anderen Menschen intensiviere. Zu D., und zum Klavierengel und der ganzen Crew, und wieder zu M., und zum K.

Ich bin so beschissen schlecht darin, mich auf viele Beziehungen gleichzeitig zu konzentrieren. Gleichverteilt gut Kontakte und nicht so nahe Freundschaften zu pflegen (Nähe im Sinne von emotionaler Nähe, nicht räumlicher Distanz). Dabei will ich das so gerne!

Mich treibt die große Angst um, dass ich so werde wie meine Mutter. Sie hatte auch immer einen Kernkreis von Freundinnen, aber sie ist einfach ein Einzelkämpfer bzw. nicht in der Lage, Freundschaften konstant zu pflegen. Sie gibt nicht viel. Sie nimmt immer nur. Ich habe Angst dass ich genauso werde. Sie hatte früher auch viele Kontakte und war auf vielen Parties, aber irgendwann hat das aufgehört. Mein Vater meint, dass sie sich bewusst dafür entschieden hat. Ich glaube das nicht, aber was weiß ich schon.

Ich WILL geben. Und ich merke wie gut es mir tut Ph. in Berlin derzeit soviel geben zu können, wenn auch nur per Telefon. Dass da jemand ist, der mich braucht, für den ich da sein kann. Und der sich trotz seines ziemlich beschissenen Zustands auch noch meine Scheisse und Gedanken anhört und mit mir darüber spricht.

Ich hab das Gefühl ich platze, wenn ich nicht bald meine Zuneigung an Menschen geben kann, an die ich sie so unglaublich gerne geben will. An N. An LeSchwe. An K. Aber vielleicht kann ich das ja gar nicht. Vielleicht will ich nur und kann nicht. Vielleicht liegt es ja nur an mir. Nein, es liegt nicht nur an mir. Aber trotzdem.

Ich träume davon für Freunde zu kochen, am besten jedes Wochenende, sie einzuladen, einen schönen Abend zu haben, danach noch ein bisschen um die Häuser ziehen. Aber zum einen kennen die sich untereinander gar nicht zum Teil, und zum anderen habe ich das Gefühl, dass da eben gar nicht das Interesse ist.

Mein Vertrauen ist erschüttert. Spinn ich? Red ich mir was ein?

Tja. Ich weiß auch nicht. Vielleicht bin ich in Freundschaften einfach scheiße. Aber diese Erkenntnis wäre mir echt ziemlich neu. Und für mich bleibt die Frage: warum habe ich das Gefühl, dass ein Teil meiner Freunde anscheinend auch beschissen in Freundschaft ist? Oder ist es dann einfach Zeit, sich zu trennen?

Ich will keine Fratzenbuch-Freunde mehr. Ich will Freunde die Zeit mit mir verbringen, und das bitte gerne.

Vielleicht mag hier jemand mal was schreiben, wenn er den Beitrag bis zum Ende geschafft hat. Ich würde mich freuen, wenn mal jemand schreibt. Ja, sehr!



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