Dienstag, 12. Mai 2009
Quartalsweise. Scheint wieder so weit, gefühlt. Seele weh. Kummer und Aggression. Keine gute Kombination. Weglaufen, will ich.

"Wenn du weisst dass es scheisse ist, warum tust du es dann?"
"Weil ich nicht aus Plastik bin!!!!"
"Ja was willst du dann."
Die, die täglich Nähe spüren. Die tun sich leicht. Sag doch nein zu dem bisschen Nähe das dir jemand anbietet, dem du dich nahe fühlst.

Ich will mir eine aufs Maul hauen. Bis es blutet. Oder die Nase. Zustopfen. Zurotzen. Wegballern. Ertrag mich selbst nicht in meiner ewigen Dummheit. Will mich nicht spüren. Nicht so.

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ich bin berührt. melancholisch. nachdenklich. leise. zahm in mir. aber vor allem berührt. berührungen. sie können wunderschön sein, und in ihrer sanftheit doch weh tun, ein bisschen. nachhaltig. anhaltender wind auf der haut.




Dienstag, 5. Mai 2009
Manchmal, da stolper ich über alten e-Mailverkehr wie über Geäst auf weichem Waldboden. Er bringt mich zu straucheln, aber nicht zum Fallen. Lässt mich innehalten. Das Herz für eine Sekunde aussetzen. Kurz durchatmen. Waren das seine Worte? Meine Worte? Die Worte Dritter? Das haben wir also gedacht. Das uns beschäftigt. Monatelang weggerannt vor diesen Texten. Die letzten Mails vor der Trennung. Mails mit der LeSchwe. Mails aus guten Zeiten. Liebevoll. Kranke Mails. Missverständnisse. Zurechtgebastel. Lügen. Küsse. Ich hasse Mails.

Schriftliches macht das Geschehene so real. Ich habe nicht viel gebloggt von den schlechten Zeiten.

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Freitag, 27. März 2009
Caelum.
Vor einigen Wochen bat mich Frau W. ein Bild von meinem "Baum" zu malen. Der Baum. Ich erwähnte wohl nach den ganzen Wirren und Katastrophen mit "dem anderen Namen", dass ich gerne einen Baum hätte.

Das war blöd, wie sich herausstellte. Ich malte ihr also den Baum. Einen sehr schönen. Und sie stellte mir allerhand fragen zu diesem Baum. Dann musste ich mich zu dem Baum dazu malen. Das Ende vom Lied ist (nach mehreren Sitzungen mit Fragen, die mich an den Rand des Wahnsinns gebracht haben, und viel Gelächter, weil die Vergleiche manchmal einfach zu gute Vorlagen für alberne Kommentare boten): ich will gar keinen Baum.

Das fand ich für den ganzen Aufwand eine ziemlich beschissene Erkenntnis. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite war es der größte Gewinn. Ich eifere permanent einem Bild von Mann nach, das mich gar nicht zufriedenstellen, geschweige denn glücklich machen kann. Ein Baum hat keine Füße. Ich kann mit dem Baum nichts tun. Er ist schön anzusehen und spendet Schatten, schenkt Ruhe. Ist immer da. Aber er bewegt sich nicht, ist unflexibel. Immer muss ich zu ihm. Nie kann er mit. Ich kann kommen und gehen wann ich will. Das ist blöd, vor allem für den Baum. Einen Baum-Partner. Also wars wohl nix mit dem Kontrastprogramm zum anderen Namen. Der Baum symbolisiert eher ziemlich gut das, was mein Vater für mich darstellt. Ich habe schon einen Baum. Und für eine Partnerschaft kommt dieses Bild nicht zum Tragen. Es reicht nicht.

Was uns zu weiteren Fragen danach brachte, was ich denn eigentlich will. Erwarte. Ersehne. Begehre. Wichtig finde.

Seit drei Wochen bin ich nun dazu angehalten, ein Bild dafür zu finden, und was soll ich sagen. Ich fand keines. Bis heute. Da kam es spontan, und ich weiß auch noch nicht ob es passt. Aber es ist das Wetter. Und ich bin es auch, ein Wetter. Ich will eine Wetterbeziehung. Mit Arbeitsteilung. Gleicher Augenhöhe. Beständigkeit (Wetter ist immer da, in welcher Form auch immer, und immerhin gibt es ja auch Wetterprognosen). Wetter ist ehrlich, abwechslungsreich, gnadenlos, offen. Es zeigt sich. Und wenns regnet, regnets, aber dann kann der andere vielleicht ein bisschen Sonnenschein spenden, damit einen Regenbogen erschaffen, oder Wind sein, der die Regenwolken vertreibt.

Wetter beschreibt mich sehr gut. Ich erwarte nicht, dass mein Partner ein Spiegel von mir ist. Aber er muss mich erkennen können. Und ich ihn. Und egal in welcher Form, aber das andere Wetter bleibt. Ist in sich beständig. Hilft. Unterstützt. Setzt Gegenpunkte. Man ist gemeinsam.

Und es mag kein Zufall sein, dass Caelum nicht nur Wetter bedeutet, sondern auch Himmel. Denn da sind auch die Sterne, die wunderschönen Sterne, und ich will jemanden an meiner Seite, der mit mir danach greifen will.

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Donnerstag, 5. März 2009





Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.

Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehn.

Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verlässlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltür am Abend schließt.

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nch einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.

Hilde Domin, Nur eine Rose als Stütze

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Samstag, 28. Februar 2009
Stary, stary night.
"Gehst du mit feiern?"

Nein. Nein das tue ich nicht.


Draußen ist es lau, und jemand gesteht mir seine Verliebtheit, doch sie bleibt unerwidert. Vielleicht ist es nur wegen deiner Einsamkeit, sage ich. Nein, meint er. Du bist einfach ein Superweib.

Die dünne Mondsichel winkt zum Küchenfenster hinein.

Wie gerne würde ich seine Gefühle erwidern.

Heute Nacht träumte ich von meinem Mann. Es war wundervoll. Da waren keine Blockaden, kein Hinterfragen. Nur Offenheit, Vertrauen und Liebes-Küsse, und die Gewissheit, dass es das nun ist. Es macht mich froh, dass ich auch vor dem Traum wusste, wie sich das anfühlt, auch wenn es fast vergessen ist und lange her. Aber ich sehne mich nach meinem Mann. Zeig dich.

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Freitag, 27. Februar 2009
Reha.
Sie sieht mich einfach nur an. Ich kann nicht einmal erahnen, was sie denkt. "Wundern Sie sich doch nicht darüber, dass es Ihnen Spaß gemacht hat. Wenn dem nicht so wäre, hätte das Zeug ja keinen Absatz."

Sie ist mit ihren Fragen wie immer auf der richtigen Spur. Ich versuche zu erklären, von dem Wegfallen des Einsamkeitsgefühls, von dem Empfinden attraktiv und selbstsicher zu sein, mich in mir wohl zu fühlen. Von der erotischen Selbstwahrnehmung. Von der inneren Ruhe, die mich überkommt, während der Körper sich nur der Musik, die soviel intensiver klingt, hingibt.

Sie scheint nicht erstaunt, packt den Zettel aus, den ich vor über einem Monat schreiben musste um eine Verlängerung zu beantragen. Meine Therapieziele. Selbstwertgefühl. Ein besseres Verhältnis zu meinem Körper. Ruhe und Gelassenheit finden. Alleinsein ohne Einsamkeit. Selbstliebe.

Ich bin schockiert, auch wenn das nun kaum zu glauben ist. Mir sind meine Therapieziele nicht permanent bewusst. Und sie so klar vor Augen geführt zu bekommen, nachdem ich ihr erläutert habe, was mir das Zeug gibt, und diese zwei Seiten decken sich so schrecklich, das ist wie eine Offenbarung. Eine, von der man meinen könnte, sie lag auf der Hand. In dieser Situation ist es wie ein riesen Gong.

"Sie wollen all das sein. Und das Zeug gibt es Ihnen, ist Ihre Krücke. In dem was Sie erzählen kommt auch die Ungeduld, die Sie mit sich selbst haben, zum Ausdruck. Sie wollen nicht mehr in der Gemütslage sein, in der Sie sind, und fragen sich, warum nicht endlich alles so ist, wie Sie es wollen, wo Sie doch 'schon ein Jahr Therapie machen'. Er tut weh, dieser Prozess, und er dauert.

Stellen Sie sich das vor wie bei einem kaputten Knie. Sie haben furchtbare Schmerzen, die Sie nicht mehr haben wollen. Eine Schmerztablette nimmt Ihnen den Schmerz eine zeitlang. Sie betäubt. Aber das, was das Knie stabilisiert, ist die Reha."

Ich habe den Glauben daran, an die Reha, in letzter Zeit verloren, sage ich ihr, und nur mein Kopf sagt mir, dass es der richtige Weg ist. Warscheinlich war der Ausrutscher absehbar.

Es tut gut, so gnadenlos ehrlich sein zu können. Ich bin gut aufgehoben bei meiner Reha-Krücke.


Bis zum nächsten mal soll ich einen Baum malen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Mittwoch, 25. Februar 2009
"We look into faces
Wait for a sign[...]
Wir sind allein
Allein allein [...]"
Polarkreis 18





Mit jedem Löffel aus dem Nutellaglas wird es schlimmer. Sturzbäche. Es war heute ein Schock ihn zu sehen. Grauenhafte Gefühle kamen hoch. Scham, klein und hässlich fühlen, und dumm. Ich wurde rot übers ganze Gesicht. Und Wut. Vielleicht auch eher Hass. Ich hasse es, ihm permanent mehr oder minder unerwartet begegnen zu müssen. Wie soll man da in aller Ruhe das Ganze aus sich rausschneiden. 8 Monate. Das ist doch nicht normal.

Als das Glas leer ist, kann ich nicht mehr. Ich greife zum Hörer und rufe den Herrn Vater an. Ich habe keine Ahnung, an wen ich mich sonst wenden soll. An N, die seit über 2 Jahren tapfer gegen ihre Sucht kämpft? An K., mit ihrem Baby? Nein. Und der Rest entfällt aufgrund ... sie können nicht damit umgehen, und ich kann es ihnen nicht verübeln. Ich kanns ja selber nicht.

Es sprudelt aus mir heraus, über die Drogen, darüber, dass ich mich im Job unausgelastet und unterfordert fühle, über das dringende Gefühl, etwas ändern zu müssen, darüber, dass ich nichts finde, was mir Spaß macht, um die Tage auszufüllen, kein Sport, das Klavier vielleicht noch. Für nichts empfinde ich Lust es anzugehen. Schlechter Empfang auf allen Frequenzen. Die Energie sucht sich den falschen Kanal.

Er hört zu, gefasst. Was ist mit mir los, frage ich ihn. Was ist bloß los mit mir. Was fehlt mir, was lässt in mir ein so großes Loch, dass ich es damit zu kompensieren versuche. "Ich weiß es nicht. Vielleicht fehlt dir einfach ein lieber, zuverlässiger Partner. Jemand an deiner Seite." Dicke Krokodilstränen laufen mir übers Gesicht. "Aber deswegen kann ich doch nicht das Zeug in mich reinstopfen!" Nein, natürlich nicht. Aber es wäre eine Erklärung.

Und dann weiß ich wieder, erinner mich an früher. Erinner mich daran, warum ich diesen Dingen damals verfallen war. Ich war dann gern mit mir allein. Ich mochte es dann regelrecht, allein zu sein. Ein Zustand, den ich ohne kaum ertragen konnte, und ich muss es leider sagen, immer noch kaum ertragen kann. Nicht ständig über so lange Zeiten. Zu häufig entspricht das Alleinsein dem Einsamsein. Ich bin viel allein. Und einsam auch oft dann, wenn Menschen um mich sind.

Ich glaube nicht, dass ein Partner alles heilen würde. Ein Teil in mir kennt diese Einsamkeit auch in der Partnerschaft. Aber es wäre gelogen wenn ich behaupten würde, dass ich niemanden an meiner Seite vermisse, dass ich nicht gerne teilen würde, gemeinsam durchs Leben gehen würde. Zugleich empfinde ich davor aber eine ungeheure Angst. Axel hat tiefe, grobe Wunden hinterlassen, vor deren wahrer Tiefe ich heute noch erschrecke.

Heute Nacht will ich träumen. Davon, die Einsamkeit nicht als Last zu empfinden, sondern sie mit Freude zu begrüßen: "Allein Allein, Allein Allein!" Über grüne Hügel und bunte Blumenwiesen möchte ich mit mir tanzen, das Gesicht gen Sonne und Sommerwind, und im Herzen die Gewissheit, dass das Leben wunderschön ist.

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