Dienstag, 28. März 2006
Post nubila phoebus*
Manchmal, wenn der Himmel von Wolken durchzogen ist, legt sie sich mit einer warmen Wolldecke in eine windgeschützte Sandkuhle zwischen den Dünen. Da liegt sie dann auf dem Rücken und beobachtet fasziniert die Formationen, die sich am Himmel abzeichnen.

Sie mag keinen stahlblauen Himmel, den findet sie ebenso reizlos wie zu glatte, schöne Gesichter. In denen ist nichts Interessantes zu finden. Kein charakteristisches Merkmal, keine Eigenheiten, nur langweilige Schönheit.

Während der Wind die Wolken über den Himmel schiebt, zeichnet sie mit ihren Fingern Gesichter, Tiere, Figuren und Fabelwesen in die bauschigen Wattebällchen. Manchmal nimmt sie ihn mit. Er ist nicht wie die anderen, muss nicht ständig reden und kann die Stille genießen. In diesen Momenten sind sie sich sehr nahe. Es kommt vor, dass er nach ihrer Hand greift, wenn er merkt, dass sie friert. Dann kuschelt sie sich an ihn, in seine Armbeuge, und legt ihren Kopf auf seine Brust, lauscht seinen Atemzügen und seinem Herzschlag.

Wenn Sonnenlicht die Wolken durchbricht, schirmen sie ihre Augen mit den freien Händen ab und blinzeln sich an. Er drückt sie an sich, und beide sind froh, dass es sie gibt, die Wolken.


*Nach Wolken die Sonne.

 
poetisch. ich lese gerne zwischen ihren zeilen...

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